Wie eine Ölsardine
Otto freut sich nach getaner
Arbeit auf eine geruhsame
Heimfahrt bis er auf dem
Bahnsteig ziemliche Hektik
antrifft denn sein Zug ist
ersatzlos gestrichen was
dazu führt das der nächste
den er und all die andern
nimmt doppelt so voll ist
und Otto sich fühlt wie
eine Ölsardine.
Klebrige Wahlen
So kurz vor den
Wahlen ist ein Gang über den
samstäglichen
Gemüsemarkt für Otto ein erhebendes
Erlebnis nicht nur dass
ihn viele die er nur
von weitem kennt äusserst
freundlich grüssen nein
sie drücken ihm auch noch
irgendwelche Kleinigkeiten
in die Finger wie beispielsweise
Bonbons Lebkuchen Bisquits etc.
Süssigkeiten also die mehr
oder weniger professionell
mit dem Konterfei des
Schenkers bepflastert sind
auf dass Otto sie beim
Urnengang ja nicht
vergesse nachdem sich
Otto das alles zu Gemüte
geführt hat und sich neben
klebrigen Fingern auch verklebte
Zähne geholt hat schwört er
sich dass er nicht bei den
Wahlen an die Politsponsoren
denken wird sondern wenn er
das nächste Mal auf dem
Stuhl des Zahnarztes sitzt.
In der Ehre gekränkt
Wo kämen wir da hin sagt Otto leicht in
der Ehre gekränkt nachdem er
den neuesten Werbespot
des orangen Riesen
gesehen hat den
mit den Flaschen die
frau zurückbringt
wenns für mich auch
noch Pfand gäbe.
Grillen
Zur Grillparty am schönen
Augustsonntag hat
Otto schon im Februar
geladen denn
dann findet er ist meistens
schönes Wetter.
Jetzt allerdings quetschen sich
die Gäste sich unter die
raren Möglichkeiten vom
Regen nicht nass zu werden
wobei die Stimmung so schlecht
nicht ist
Otto steht am Grill und bruzzelt
was das Zeuge hält hat sich
behelfsmässig mit einem
Sonnenschirm ein Regendach
gezimmert damit wenigstens
die
Grillade trocken bleibt.
Das nächste Mal schwört er
sich selber pflotschnass weil
er unter dem Schirm nicht auch
noch Platz hat entweder mit
Ausweichdatum einzuladen
kurzfristiger aufzubieten oder
die Party einfach abzusagen.
Wettrüsten
Otto staunt da wird
gebautgehämmertgezimmert
was das Zeug hält wer
immer einen Stand oder
eine BeizBar betreiben will
legt sich mächtig ins
Zeug um während der
nächsten
zehn Tage
möglichst vielen Menschen
eine gemütliches
Ambiente bieten zu
können ein Wettrüsten
um die Gunst der Gäste.
Foodbreak
Mittag essend holt
sich Otto nach einem
stressigen Morgen
die Kräfte für einen
stressigen Nachmittag
und nur erholsam ist
das nicht weil Ottos
Zeitplan so bemessen
ist dass sein Foodbreak
nicht minder stressig ist.
Verzerrt
Zu viel Sport ist
ungesund sagt Otto
sich und verzichtet
darum weitgehend darauf
was aber wiederum
nicht heisst dass er
sich gelegentlich eine
Sportverletzung
einfängt so wie eben
beim Treppensteigen
eine hässliche
Zerrung in der
Wade die ihn jetzt
mit Schmerz verzerrtem
Gesicht durchs Büro
humpeln lässt.
Marktmacht
Die Marktmacht der
Konsumenten übt Otto
jeweils bei seinem
samstäglichen Gang
über den Gemüsemarkt
aus weil beim
vorletzten Mal die Ware nicht seinen
Vorstellungen entsprach
hat er einfach den
Anbieter gewechselt
war mit ihm zufrieden
nur fehlt der jetzt
wegen Hochwasser was
Otto zeigt dass der
Markt macht was er will
und nicht nach Ottos
Pfeife tanzt.
Sirene
Als plötzlich die
Sirenen heulten
dachte Otto schon
an Weltuntergang
bis er sich der
uralten Broschüre
entsann die irgendwo
im Nirwana seines
Erinnerungslagers
ein vergessenes
Dasein fristet
gefunden hat er
sie natürlich erst
als das Wasser
wieder abgelaufen war.
Am eigenen Leib
Wer morgens nur
sommerlich bekleidet
ausrückt wenn den
Wetterfröschen der
Sinn nach Feuchtem
steht ist selber schuld
wenn er abends
pflotschnass wieder
einrückt wie Otto
am eigenen Leib
erfahren muss.
Zur Lage der Nation
Mit stolz geschwellter Brust
schreitet Otto nach dem
Eröffnungsmarsch seiner
Lieblingskapelle ans Rednerpult
Otto Normal ist in diesem
Jahr dazu auserkoren am
nationalen DätschBumChlöpf- und
Feiertag seine Sicht zur
Lage der Nation vor grossem
Publikum abzusondern intensiv
hat er sich darauf vorbereitet
stundelang in Geschichtsbüchern
gewälzt um historische Vergleiche
sich bemüht denn weil er in
keiner Partei ist hat er auch
keinen Ghostrighter muss also alles
selber machen mit einem Stapel
Papier und Worten für 15 Minuten
darauf eilt er also ans Mikrophon
legt den Stapel aufs Pult und just
in dem Moment in dem er mit grosser
Geste und bedeutungsschwerer
Mine
liebi Froue und Manne sagt
weht ihm eine steife Brise den
Stapel vom Tisch und verstreut ihn
in alle Winde Otto wird tiefrot im
Gesicht überlegt kurz ob er jetzt
das Papier zusammensammeln und
ordnen soll kommt zum Schluss dass
dann seine 15 Minuten dann wohl um
wären richtet seinen Blick ins
Publikum und sagt mit fester Stimme
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Eigentlich hätte ich zur Lage der
Nation sprechen wollen wie diese
ist haben Sie eben selber mitbekommen
ziemlich zerzaust und in alle Winde
zerstreut Ende der Durchsage tosender
Applaus und schon kann seine
Lieblingskapelle zur Nationalhymne ansetzen.